Mattmoiselle Mayr

Guten Tag. Schön, dass Sie den Weg auf mein kleines Stück Internet gefunden haben. Die Schuhe können Sie ruhig anlassen.

Pott zu Prunk, Kapitel 2: Klaut endlich mein Rad!

“Musst du nicht abschließen. Sind ja gleich wieder da”, sagte der Münchner zu mir. Es war Sommer, ich war für eine Wohnungsbesichtigung auf Kurzbesuch und er lieh mir ein altes, klappriges Fahrrad, dessen Sattel immer ein bisschen nach links wegklappte.

Vor einem Restaurant ließ er sein weniger klappriges Rad einfach stehen, das Schloss lässig um den Lenker geschlungen, wie eine rote Fahne, um Diebe anzulocken, dachte ich. Ich bin Raddiebstahlsparanoid, seit meiner Mutter das Fahrrad geklaut wurde, als sie die Einkäufe von der Haustür in unsere Erdgeschosswohnung brachte. Fünf Meter Abstand is all a Fahrraddieb needs.

Dachte ich. Nicht so in München. Hier kann man im Innenhof das Rad ganz ohne Schloss stehen lassen. Vor dem Supermarkt reicht den Münchnern für ihre 1500-Euro-Räder ein 5-Euro-Plastikschloss, das eher symbolischen Wert hat: “Dieses Rad bräuchte ich noch, bitte nicht bei Stadtbildsverschönerungen entsorgen.”

In Köln und Dortmund besaß ich kein stehlenswertes Rad. Alter Stahlrahmen, Licht kaputt, Reifen immer kurz vor platt und die Pedale so schwer zu treten, dass jeder Gelegenheitsdieb nach zwanzig Metern schimpfend abgestiegen wäre. Trotzdem: Selbst wenn ich in einem Café direkt neben meinem Fahrrad saß – es war niemals ohne Schloss. Safety first.

Zum Bachelorzeugnis habe ich mir dann selbst ein Rad geschenkt. Aus einer Entfernung von hundert Metern sieht man es rosa leuchten. Die fucking Prinzessin Lillifee unter den Fahrrädern. Jedoch mit etwas mehr Stil. Und: immerhin teurer als ein Abendessen oder ein Ryanair-Flug. Wenn ich ein Dieb wäre, ich wäre recht gallig darauf, dieses Rad auf ebay zu verscherbeln. 

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Posing with the poserbike

Anscheinend geht es den Dieben in München nicht so. Oder es gibt einfach keine Diebe in München. Wer es sich leisten kann, hier zu wohnen, ist wohl nicht in einem so unbeständigen Business wie Fahrraddiebstahl aktiv. Wenn schon kriminell werden in dieser Stadt, dann wenigstens irgendwas mit Immobilien.

Das Fahrrad und ich freuen uns darüber. Wir freuen uns, wenn es unabgeschlossen vor der Bäckerei wartet und wenn wir uns dann in die Arme fallen, ich mit Brezen im Rucksack, das Fahrrad immer noch da. Wir freuen uns, dass es nur ein Schloss braucht und nicht zwei, denn wohin soll man denn mit den ganzen Schlössern beim Fahren? Wir sind jedes Mal überrascht, wenn wir uns nachts um halb drei heile wiedersehen, nachdem es stundenlang an einer Laterne auf mich gewartet hat. “Schon wieder kein Vandalismus!” jubeln wir dann.

Allerdings sind wir auch ein bisschen beleidigt. Wir hatten gehofft, uns begehrenswerter zu fühlen. Es ist, als hätte man sich sehr hübsch gemacht für eine Party und dann sind alle interessanten Personen in Begleitung da. Als hätte man sich sehr gut auf ein Unwetter vorbereitet und dann scheint die Sonne. Wir fühlen uns betrogen um ein Abenteuer. Und wir wissen beide, wie albern das ist.

München steht für Hiphop, homie, coole Rhymes und fette Beats. 

Pott zu Prunk, Kapitel 1

Ich verfalle in einen gegenteilig-klaustrophobischen Panikanfall, als ich aus dem Zugfenster sehe. Da ist so viel nichts. So viel freie Fläche. Ab und zu Ponys ohne Zaun drum, die nicht weglaufen, denn wohin sollten sie gehen, wovor sollten sie fliehen? Nur Gleise und Grün und ein bisschen Wasser, ab und zu ein Traktor. Über Stunden fehlt es um mich herum an Zivilisation. Wenn der Zug jetzt hier entgleist, dann merkt das keiner. Wenn wir jetzt hier anhalten, wie viele Stunden Fußmarsch sind es zur nächsten Wasserstelle?

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Zuhause ist das Ruhrgebiet. Zuhause liegt Bochum neben Dortmund neben Essen neben Gelsenkirchen neben Unna neben Wittenherdecke, überall sind Schnellstraßen und zu Ikea kann man mit dem Fahrrad fahren. Ich habe lange nicht verstanden, warum Autobahnnähe ein Verkaufsargument für Immobilien sein sollte, denn zuhause verliefen zwei Autobahnen durch meinen Schulweg.

Dass es Orte gibt, wo man erst eine Stunde in die falsche Richtung fahren muss, bevor man irgendwohin kommt, finde ich immer noch schwerstens verständlich.

Wenn zuhause irgendwo eine große freie Fläche ist, dann buddeln wir wenigstens ein großes Loch, holen Kohle raus, verpesten die Luft und am Ende kippt irgendwer Wasser rein und zack ist da ein See. Um den See können dann die industriegeplagten, lungenkranken Menschen herumspazieren. Das leuchtet mir ein.

Dieses viele, große Nichts leuchtet mir nicht ein, denn wo nichts ist, da leuchtet auch nichts, da gibt es nur Jugendliche, die aus Langeweile Straßenlaternen kaputttreten und Vergewaltiger, die in dunklen Ecken lauern, aber niemand läuft vorbei, denn es ist Mittwoch und das Dorf hat nur 150 Einwohner. Geh nach Hause, Manni, geh kalt duschen, das wird heute nix mehr.

Zwischen den großen freien Flächen, auf die ich jetzt hektisch atmend starre, liegen Dörfer. Dörfer mit Kirche in der Mitte und Berg rechts, Berg links. Dörfer mit Mehrfamilienhäusern, kleinen Gärten und kleinen Straßen und Bäumen. Dörfer, die abgeschlossen sind, so für-sich und unangreifbar weil unerreichbar. Dörfer, die nur ein Schatten der echten Welt sind. Wenn ich hier groß geworden wäre, dann würde ich wohl auch Schwule klatschen. Schießt es mir durch den Kopf.

Zuhause ist Karneval. Zuhause sind Leute, die vor Hauseingänge kotzen und Clownsmasken tragen. Zuhause sind dreckige Flüsse, gelbgeflieste Bahnhofsgebäude und chaotische McDonalds-Filialen. Zuhause sagt man weißte, machste, kannste, willste, Arschloch. Der Zug hält an.

Und jetzt bin ich also hier.

Der McDonalds am Münchner Hauptbahnhof ist schwer zu finden und sehr aufgeräumt. Die Menschen am Münchner Hauptbahnhof sind noch viel aufgeräumter. Ich stolpere in einen Zeitschriftenladen und kaufe Postkarten. Die Frau an der Kasse sagt: “Servus”. Ich zögere kurz, gucke verwirrt und bleibe bei: “Tach.”

Warum Dortmund das neue Leipzig ist

Ich verkünde hiermit offiziell und Kraft des mir durch mich selbst verliehenen Amtes: Leipzig is over. Leipzig ist nicht mehr Hypezig, höchstens noch Binichleidzig oder Wasistdasfür1lifezig. Wer jetzt cool sein will, wer jetzt alternativ und hip ist, wer sich jetzt noch traut, mit der Wohnortwahl bei Freunden und Verwandten anzuecken, der geht nach Dortmund.

Denn erstens klingt Dortmund so scheiße und uncool, dass man sich dafür keinen Hype-Namen ausdenken kann, der nach sechs Minuten im aktiven Wortschatz schon wieder peinlich ist. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie Dortmunds Hype-Name sein könnte (30 Sekunden) und bin gescheitert. Folglich gibt es keinen. Oder nur solche, in denen Wortspiele mit Nase und Augen vorkommen. Und die habe ich schon zu genüge gemacht, als ich vier Jahre alt war.

Zweitens hat Dortmund zwar schon die ganze Hipster-Infrastruktur (Veganes Eis für 3000 Euro, gut ausgeleuchtete Läden für Klamotten mit witzigem Aufdruck, Cafés in denen man ohne Probleme einen Yogi-Tee serviert bekommt), aber die Wege sind noch nicht so ausgetreten. Selbst im Kreuzviertel fehlt noch viel zur absoluten Gentrifikation, was allen gelegen kommt, die zwar in einem Bildungsbürgerhipsterviertel leben möchten, aber das nicht den ganzen Tag unter die Nase gerieben bekommen wollen.

Drittens ist man in Dortmund noch ehrlich arm, nicht so wie in Leipzig und Berlin. Wenn hier jemand scheiße aussieht, dann ist das kein Style, sondern die finanzielle Unfähigkeit, besser auszusehen. Wenn in Dortmund jemand Rastas hat, dann ist das keine Frisur, sondern liegt am verpassten Haarekämmen. Wenn sich hier zwei Punker in der Bahn über ihren Hund unterhalten, dann nicht über die vegane Ernährung des lieben Tiers, sondern darüber, dass er bissig ist. Wenn in einem Dortmunder Park ein Festival ist, dann spielen da keine Indiepopbands und keine Trommeln-für-den-Frieden-Gruppen, sondern Coverbands mit Männern Mitte vierzig, die von den Toten Hosen bis Nirvana die Musikgeschichte von hinten penetrieren.

Links das U, daneben ein Klotz, daneben noch ein Klotz

So sieht es hier eigentlich überall aus.

Dass Dortmund viertens ein Fußballteam hat, das man okay finden kann, wenn man nicht gerade aus Gelsenkirchen kommt, ist ja kaum einer Erwähnung wert. Für hippe Menschen ist das besonders aus Abgrenzungsgründen relevant. Man kann nämlich in einer so fußballvernarrten Stadt Sätze sagen wie: “Ach, auf den Westenhellweg gehe ich wirklich nur, wenn Dortmund spielt, dann ist da keiner” oder “Ich habe da dieses total süße Café mit glutenfreiem Kuchen bei mir um die Ecke, da kann man auch abends schön sitzen, aber Fußball zeigen die zum Glück nicht.”

Außerdem hat Dortmund fünftens die perfekte Lage zwischen Bochum, Essen, Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Schwerte, Werne, Lünen, Unna und ganz vielen anderen Orten, wo man überhaupt nicht hin will, über die man aber immer sagen kann, wie cool es ist, dass alles so nah beieinander liegt. Läuft der französische Indiefilm hier nicht? Fahr halt nach Bochum. Mit der Oma in münsterländer Fachwerkidylle Kuchen essen? Ab nach Werne. Intellektuell fühlen und in eine für die Größe der Stadt vollkommen überzogene Oper gehen? Zack, Essen! Und nach Unna… naja. Kann man auch mal hin. Das Ruhrgebiet ist was Nahverkehr angeht etwa wie Berlin: Man braucht für jeden Weg etwa eine Stunde.

Sechstens ist Dortmund winzig. Wenn die U-Bahn ausfällt, kann man einfach laufen, statt zu warten. Es gibt keine “Oh nein, das Restaurant ist am anderen Ende der Stadt”-Ausreden, denn es gibt kein anderes Ende der Stadt. Nach ein paar Wochen hat man Dortmund überschaut, seine eigenen Orte gefunden, Refugien in der Hässlichkeit, die man dann auf einmal vollkommen charmant findet.

Natürlich stimmen alle Vorurteile. Dortmund hat überall Nazis, denen es auch nicht peinlich ist, Nazi zu sein. Dortmund ist pottenhässlich. Dortmund ist krankhaft BVB-fixiert. Und bei manchen Dortmundern kommen alle diese drei großen Probleme zusammen. Trotz alledem: Man kann es durchaus lieben, hier zu leben.

Königinnen

Ein Paar weiße und ein Paar beigefarbene Sandalen treffen sich vor einem türkischen Café in Köln-Nippes. Ihre Trägerinnen sitzen im Schatten auf Plastikstühlen in Korb-Imitat, neben sich hat jede einen vollbepackten Rollator geparkt. Die weißen Sandalen gehören Johanna (85), deren Gesicht so rund ist, dass es trotz ihres Alters kaum Falten hat. Die beigefarbenen Sandalen gehören Annemarie (78), die sich trotz ein paar kahler Stellen eine dunkelbraune Dauerwelle stehen lässt. Vor den beiden stehen zwei Tassen schwarzer Tee. An den Nebentischen sitzen Herrengruppen mit üppigen Schnurrbärten. Neben ihnen auf dem Wilhelmsplatz tobt der Nippeser Wochenmarkt. Dies ist ihr Königreich.

Seit 50 Jahren kommen die Damen hierher, manchmal alle sieben, manchmal alle 14 Tage . “Je nachdem, wie es um die Gesundheit steht.”, sagt Annemarie. In der Plastiktüte auf ihrem Rollator steckt ein Paket mit vier Unterhemden. In Johannas Portemonnaie stecken Fotos von sechs Urenkelkindern, mit Tesafilm auf das Kunstleder geklebt.

Auf dem Wochenmarkt in Nippes kostet ein Kilo Erdbeeren einen Euro. Kopftuchtragende Frauen und Rentner drängen sich zwischen Obst, Gemüse und Kleidung. “Junge Frau, mögen Sie Gurke kaufen? Mögen Sie lieber große oder kleine? Kleine habe ich nicht”, sagt ein Mann hinter einem Gemüsestand. Dies ist kein Markt für den Bildungsbürger von nebenan. Es ist laut, unübersichtlich, anstrengend – und billig. Aber sobald die Ladenbesitzer, Marktschreier und Hausfrauen an Annemarie und Johanna vorbeikommen, werden sie stumm und höflich.

Annemarie hatte früher eine Kneipe in Weidenpesch, das hat ihr so einiges an Ruhm eingebracht. Johanna hatte früher einen Mann, “der ist seit zwölf Jahren tot und weiß immer noch nicht, dass ich die Pille genommen habe!” Annemarie erzählt vor allem von den anderen. Johanna erzählt vor allem von sich selbst.

Eine ältere Frau mit schwarzen, kurzen Haaren tritt an den Tisch, nimmt Annemarie rücklings in den Arm, sie lachen, halten Hände, wechseln zwei Worte. Dann geht die Frau weiter, Annemarie dreht sich zu Johanna um. “Seit 40 Jahren ist die hier und spricht kein Deutsch. ich würd sie ja einladen zum Kaffee, aber was soll ich denn mit der?” – “Türkisch lernen”, sagt Johanna und meint es ernst.

Die Damen diskutieren zwischen den Audienzen das Marktangebot im Kölner Norden. “Hör in Nippes, da hat sich seit fuffzisch Jahren nöscht verändert”, sagt Johanna. “Gemüse und Obst kannste hier nicht kaufen, dat is matschig”, sagt Annemarie, dafür müsse man schon zwei Bahnstationen weiter nach Longerich oder Chorweiler. Nach Nippes kommen sie für die Schnäppchen. “Die Sandalen hier”, Johanna wirft einen andächtigen Blick unter den Tisch, als müsse sie kontrollieren, ob die Schuhe zum Prahlen taugen, “haben 19,99 gekostet. Da kannste doch nix sagen.” Annemarie fügt hinzu: “Dann waren wir in Longerich. Da konstense das Doppelte!”

Eine hochschwangere Frau kommt mit einer weinenden Zweijährigen auf dem Arm aus einem Juwelierladen. “Das Kind hat Ohrlöcher bekommen”, sagt Annemarie mitleidig. Woher sie das weis, bleibt unklar. Die Zweijährige wird vom ihrer Mutter zu Annemarie getragen. In ihren roten Ohrläppchen blitzen zwei in Gold gefasste Steinchen.   beide Frauen beginnen zu rufen: “Was bist du schick! Was ist das toll!” bis die Kleine verstört lächelt und der gesamte Platz sich nach ihr umsieht. “Ali hat auch geweint”, sagt die Mutter und zeigt auf den Juwelier, der jetzt mit Reuetränen in den Augen aus seinem Geschäft kommt und das Kind mit einem Stück Schokolade um Entschuldigung bittet. Als die drei im nächsten Hauseingang verschwinden, sagt Annemarie: “Die hat schon drei Kinder von dem, jetzt kommt das vierte. Eigentlich war sie ihm schon mal abgehauen.”

Eine Mitarbeiterin des Cafés räumt die Teetassen ab und fragt, ob sie noch etwas bringen darf. Eigentlich bedient man sich hier selbst. Die Damen verneinen, ihnen bleibt keine Zeit. Der Tee und die Empfänge haben gut eine Stunde gedauert. Nun haben sie eine Mission: Zwei weitere Paare Wörishofener Bequemschuhe, für 19 Euro und 99 Cent. In Zeitlupe bewegen sich vier Sandalen und acht Rollatorenräder in Richtung der Marktstände.

Das nicht

Ich schreibe es raus. Seit ich weiß, wie man Worte halbwegs sinnvoll halbwegs genießbar aneinanderreiht, fessele ich die Dinge auf Papier, die ich nicht fassen kann. Schreiben ordnet, schreiben geht von links nach rechts mit festgelegten Buchstaben in festgelegten Linien nach Regeln, die ich kenne. Schreiben ist meine Defensive und meine Offensive. Viel mehr kann ich nicht.

Was mich überfordert wird auf Papier zu einem Drei-Wort-Satz, was mich nicht loslässt wird zu leichter Sprache, was mich niemals loslassen soll wird zu schwerwiegenden Begriffen und bedeutungsschwangeren Formulierungen.

Aufschreiben bedeutet erfassbar machen. Aber je mehr ich fassen kann, je mehr Jahre ich habe um ihre Dauer mit der vergehenden Zeit zu vergleichen, desto mehr Dinge tragen ein Schild um den Hals. BITTE NICHT ANFASSEN steht darauf. Und anstatt danach zu schlagen und zu schreien und das Kribbeln in den Fingern nicht zu ertragen sehe ich heute hin, atme, lasse es gut sein. Gehe weiter.

Es ist mein Job, zu fragen: wie, warum. Aber leben kann man nur, wenn ab und zu etwas ohne Erklärung bleibt, wenn ab und zu mal keiner etwas fassen kann und wenn “Ich weiß es nicht” eine Antwort sein darf, keine Entschuldigung.

Manche Dinge finden auf Papier nicht statt, manches kann man nicht rausschreiben und nicht von links nach rechts, oben nach unten verständlich machen. Man kann das nicht. Man muss das nicht.

Say it loud, say it clear: Armut.

Es ist ein Kreuz, Journalist_in zu sein. Man muss über Dinge schreiben, obwohl man sie nicht schön findet, nicht versteht oder gar nichts davon wissen will. Man muss zum Beispiel einen Text für eine Serie schreiben, die “Heimatcheck” heißt (ekelhaft schon die Kombination von Blutundbodenanbiederung in Kombination mit noch anbiederendem Englisch) und dann geht es etwa um: Arbeit und Soziales. Logisch, dass es da auch um Armut geht. Logisch, dass man damit nichts zu tun haben will. Logisch, dass man ausweicht, auf Begriffe wie: sozial schwach.

Sozial schwach ist eine Unwortkombination, eine Sammlung von Begriffen, die nichts aussagt, außer dass ihr Verfasser ein dummer Idiot ist. Was bedeutet das denn, sozial schwach? Dass ich meine Freunde nicht anheben kann? Sozial schwach ist ein ekelhafter Euphemismus, den Menschen mit Geld benutzen, um Menschen ohne Geld zu bezeichnen.

Sozial schwach, so erklärt man dann Familien ihre Probleme, deren Kinder in der Schule nur Chips fressen und randalieren, weil sie das Wochenende in einer winzigen Wohnung verbracht haben, vor dem Fernseher, denn ein Zoobesuch mit zwei Kindern kostet dreitausend Euro und um ins Kino zu gehen braucht man den Betrag, den ein Hartz-IV-Empfänger hat, um eine Woche lang zu essen.

Sozial schwach, das kann man nur sagen, weil niemand mit Leuten abhängen will, die sich keinen Milchkaffee für fünf Euro und keine Tour ins nächsthässliche Shoppingcenter leisten können. Sozial schwach heißt nichts als “arm und deshalb ausgegrenzt.” Aber würde man das sagen, dann würden sich Menschen mit Geld schlecht fühlen, denn sie wollen niemanden ausgrenzen, sie sind links und außerdem gehobenes Bildungsbürgertum und verdammt, sie zahlen ja ihre Steuern und überhaupt, Umverteilung, Kommunismus, blablabla. Wie kann man in einer Eigentumswohnung mit gutem Gewissen vom Kommunismus träumen, wie kann man so tun, als wäre man offen oder vorurteilsfrei, wenn man am Ende doch nur Freunde in der eigenen Einkommensklasse hat?

Sozial schwach, das ist ein Begriff, der aus einem System kommt, das Menschen sich ausgedacht haben, damit manche auf dem Mittelmeer Jet-Ski fahren können und manche tot aus dem Mittelmeer geborgen werden, weil sie verreckt sind, elendig verreckt, ertrunken, aber keiner berichtet darüber, denn sie waren keine fucking Konsumenten.

Noch viel schlimmer: schlechter gestellt. Gestellt, da ist göttliche Fügung ja schon drin angelegt. Gestellt, das ist Passiv, das ist Täterverschweigung. Wer stellt denn wen schlechter, und wohin eigentlich? Das ist egal, denn schlechter gestellt, das klingt als wäre das Leben eine Losbude mit schlechten und guten Stellungen. Manche gewinnen, manche verlieren, alles vom Glück abhängig, vom Schicksal.

Aber Armut ist kein Schicksal, Armut ist kein Unglück, Armut ist ein System, mit dem man Menschen Angst macht. Armut ist der Grund, aus dem Menschen in ihren Jobs bleiben, die sie hassen. Armut ist der Grund, aus dem Menschen krank werden, körperlich und psychisch. Armut ist nicht Glückssache, sondern bereits entschieden, von Geburt an, bevor man überhaupt alt genug ist, auf den eigenen Beinen zur Losbude zu laufen.

Wenn eine Blume verwelkt, sagt man: sie ist verdurstet. Nicht: sie ist schlecht gegossen. Wenn eine Familie am Ende des Monats nichts zu essen hat, ist sie nicht hungrig. Nur: schlechter gestellt.

Ich kann es nicht mehr hören, dass Bildung das Problem sein soll, oder gar: Arbeitslosigkeit. Wer will denn schon arbeiten? Wer steht denn jeden Morgen auf und denkt “Wie geil, dass ich heute wieder acht Stunden außerhalb meiner Wohnung verbringen muss um essen zu können, als Mitarbeiter_in einer Chemiefabrik, mit 50 dann Krebstod, heidewitzka, oder als Reinigungskraft in einem großen Bürogebäude, wo nicht mal meine Kolleg_innen wissen, wie ich heiße, wie geil, da fühle ich mich, als würde ich gebraucht und als ein Teil dieser Gesellschaft”

Geringe Bildung geht fast immer mit Armut einher und doch wird man nicht müde, die Schlüsse falsch herum zu ziehen, Armut als Schicksal der Dummen darzustellen. Aber arme Menschen sagen nicht: Kind, lass uns ans Meer fahren und ich erkläre dir all den Scheiß, den ein Kind am Meer lernt, über Gezeiten und so. Lass uns für zweihundert Euro an deinem Projekt für die Schule basteln und wenn wir dann nicht weiterkommen, nimmst du halt Nachhilfe. Lass uns einen Tag im Museum verbringen, Kuchen essen, eine verdammte Staffelei kaufen, die Geolino abonnieren.

Arme Menschen rechnen aus, wie viel sie noch für ein paar Schuhe ausgeben dürfen, um die letzte Rate der Waschmaschine bezahlen zu können. Und das ist kein Luxusproblem, denn jeder Mensch braucht mindestens ein paar Schuhe.

Wir werden Armut nicht bekämpfen, indem wir der Obdachlosen am Bahnhof morgens ein belegtes Brötchen in die Hand drücken, wir werden Armut nicht mit Bildung bekämpfen, nicht mit Mittagessen in Schulen oder Kirchenfreizeiten am Meer für arme Kinder.

Der einzige Weg, Armut zu bekämpfen, ist Geld. Und wenn jeder Geld hätte, hätte niemand Angst davor, kein Geld zu haben. Deshalb muss irgendwer arm sein, verzeihen Sie mir Ihre Banalität. Da ist es doch das mindeste, das kleinste Zeichen von Respekt und Wertschätzung, zu sagen, was ist. Das Wort auszusprechen: arm, arm, arm, ein Adjektiv, kein verdammtes Schimpfwort.

Liebe Frau L.,

Sie hatten Recht. Vor vier Jahren an unserem Abiball haben Sie mich zur Seite genommen und gesagt, dass mir meine große Klappe im Weg stehen würde. Dass es manchmal besser ist, einfach nichts zu sagen. Ich denke regelmäßig daran (den Rest des Abends habe ich ausgiebig verdrängt) und wahrscheinlich werde ich diesen Satz genau so wenig vergessen können wie das Mahnen meiner Grundschullehrerin am Ende der vierten Klasse: “Du musst dir angewöhnen, auf dem Gymnasium weniger frech zu sein.” Ich bin daran gescheitert, diese Sätze über Sexismus zu erklären (niemand mag schließlich laute Frauen), denn ich würde Ihnen und Frau N. Unrecht tun. Wäre ich ein Mann, ich hätte schon zwanzigtausend Mal auf die Fresse bekommen.

Ich bewundere diese Menschen, die nach innen gerichtet denken und länger als eine Millisekunde überlegen, bevor sie sprechen. Ich beneide sie darum, dass ihr Herz nicht bis in den Hals schlägt und ihre Hände nicht zittern und schwitzen, wenn jemand etwas Dummes sagt. Dass sie es aushalten, nicht dagegenzusprechen. Sobald da ein Gedanke ist, denke ich kurz darüber nach, ob ich ihn aussprechen soll, nur um dann zu denken: ach, komm, mach dir nix vor, du sprichst ihn sowieso aus – und dann spreche ich ihn aus. Wenn ein Elefant im Raum steht, ersteche ich ihn, dass das Elefantenblut nur so spritzt. Stille ist eine Kompetenz, die mir abgeht. (Aber ich mache jetzt Yoga und bin voll zen, vielleicht wird es ja noch was.)

Ich habe einige beginnende Freundschaften im Keim erstickt, weil ich Menschen versehentlich beleidigt habe. Wer sich selbst ernst nimmt, den_die kann ich nicht ernst nehmen. Wie viel Spaß macht ein_e Freund_in, dem_der man nicht sagen kann, wie dumm er_sie ist?

Glücklicherweise habe ich mir einen Job ausgesucht, in dem Reden obligatorisch ist. In dem auch die Praktikantin blöde Witze machen darf und in dem der Umgangston sowieso harsch ist. Das ist eine Infrastruktur, in der ich leben kann. Keine Ahnung, wo ich sein könnte, wenn ich anders wäre, ich bin gerne hier. Und ich glaube, dass mir meine große Klappe schon einige Male in diversen Wegen gestanden hat – bis jetzt immer in den richtigen.

Soziale Medien hassen

“Meredith hat Likes, aber kein Leben” – die Lektüre dieser Überschrift löst einen kurzen, aber heftigen Brechreiz aus. Was für eine bahnbrechende, in acht Minuten überbelichtetem Filmmaterial festgehaltene Feststellung, dass Instagram ein sehr prätentiöser Verein ist. Dies hat inzwischen doch den Erkenntniswert eines – entschuldigen Sie diese viel zu häufig von unwitzigen Menschen verwendete Metapher, aber – Toastbrots.

Ich kann es nicht mehr hören, dass wir alle viel mehr rausgehen sollen und wie schrecklich die Smartphonestarrerei ist. Ich ertrage die Verteufelung nicht. Dem Internet wird Unrecht getan.

Es gibt diese amerikanischen Teeniefilme und Serien für Erwachsene, in denen sich irgendwann aus jungfräulichstem Zufall zwei oder mehr Menschen treffen, die vorher keiner mochte, weil sie nicht in die Situationen und Rahmen und Kleidung passten, weil sie komisch sind und ihr Betragen irgendwie schwer verständlich. Nun treffen also diese zwei oder mehr komischen Menschen (meistens interessieren sie sich für Naturwissenschaften) aufeinander und auf einmal ist da Glück in allen Herzen und auch in den Herzen der normalen Menschen, weil man die Komischen jetzt endlich verpaart hat und sich nicht mehr schlecht fühlen muss dafür, sie zu verachten.

Es gibt diese Momente nicht. Die Möglichkeit, jemanden zu finden, der auf die gleiche Art und Weise komisch ist wie man selbst, ähnelt den Chancen auf einen passenden Knochenmarkspender: es braucht Zeit, Durchhaltevermögen und unendlich viele Probanden. 

Das Internet ist eine riesige Knochenmarkspenderdatei. Das Internet ist Raum für Sozialisation, für Begegnung, für fucking Liebe und liebevolles Fucking für diejenigen, die nicht passen, denen niemand gerne Raum gibt, weil sie darin stören. Das Internet ist ein Safe Space für Leute, die sich gerne an den Hoden von der Decke hängen lassen wollen und dabei eine Bibermaske tragen. Ein Ort, an dem es okay ist, wenn man die ersten dreihundert Stellen von Pi kennt, aber nur ungern anderen in die Augen schaut. Das Internet ist da, wenn keiner, dessen physische Präsenz du kennst oder erträgst, versteht, warum du diese Musik hörst oder dich so anziehst oder bei diesem Witz nicht lachst.

An manchen Orten im Internet ist es egal, ob du fünfhundert Kilo wiegst und dein Zimmer seit zwei Wochen nicht verlassen hast, solange du der Gilde treu bleibst. Und an manchen Orten im Internet ist es egal, ob du Freunde hast oder witzig bist oder Angst vor die Tür zu gehen, solange du ein hübsch geschminktes Gesicht und Markenklamotten hast. Auch diese Orte muss es geben, denn jemand wohnt vielleicht darin.*

Man sollte mehr rausgehen, man sollte mehr Menschen treffen, die digitale Welt ist gefährlich. Dass man 2016 überhaupt noch unterscheidet zwischen digitaler und echter Welt, darin besteht doch das Problem. Dass 2016 fünf Freunde im Schmetterlingskundeforum weniger zählen als ein Bekannter, der in der gleichen Stadt wohnt und ab und zu Anlass ist, die Tierleichen aus der Wohnung zu bringen und Febreze zu sprühen, das ist, mit Verlaub, bescheuert. Wer im Internet ein aufmerksamkeitsgeiler, prätentiöser Typ ist, der wäre das auch schon 1968 gewesen. Der Unterschied ist: im Internet bleibt keine_r allein, der_die sich 1968 vielleicht umgebracht oder die inhärente Faszination für antike Werkzeuge einfach runtergeschluckt hätte, um irgendwie sozial zu funktionieren.

Es sei jedem freigestellt, lieber mit unmittelbar berührbaren Menschen Zeit zu verbringen. Ich selbst habe manche meiner digitalen Mikrokosmen so lieb wie jede_n andere_n gute_n Freund_in. Und wünsche mir manchmal, wenn ich das Haus verlasse und mit nahestehenden (im Sinne von: räumlich) Personen spreche, im Internet geblieben zu sein.

 

*Leider ist das Internet auch ein Ort, an dem sich Vollidioten organisieren. Dass das aber auch ohne gut funktioniert, zeigt die Geschichte. 

Komm, ich nehm dich mit, an einen dunklen Ort im Internet

Ich habe in letzter Zeit wenig zu tun. Das heißt, ich habe viel zu tun, aber wenig davon möchte ich tatsächlich gerne tun. Eine vertrackte Situation, in der jede Methode des gedankenlosen Zeitvertreibs zu erkunden ist.

Instagram ist kein neues Phänomen. Es gibt diese App schon Ewigkeiten und ich finde es äußerst niedlich, dass wir immer von Schnelllebigkeit des Internets und digitalen Nomaden sprechen, obwohl es doch tatsächlich Jahre brauchte, bis uns Facebook endlich gelangweilt hat. Nun ist man also bei Instagram, wobei die Jugend, wie ich gehört habe, “Insta” sagt und eigentlich auch schon bei Snapchat ist. Egal, ich verstehe die Menschen unter 20 nicht mehr, seit ich 17 bin.

Ich besitze nun also drei Profile. Eins für mich (56 Follower), eins für die Sprachschule, deren Social Media ich ernähre (61 Follower) und eins für die Katze (230 Follower).

Als Neuinhaberin eines Katzeninstagramprofils hat man große Hoffnungen. Followerwellen, Ruhm, Ehre, Werbeverträge, sponsored content. Nie wieder arbeiten, hauptberuflich Katzenfotos, endlich auf der Welle des Kapitalismus schwimmen. Tatsächlich gibt es aber einige, die vor mir und Katze Paula auf die Idee gekommen sind, Lohnarbeit durch Internetfame zu substituieren. Da wäre die Katze mit Down-Syndrom, die Katze mit Überbiss, die besonders hässlichen Katzen und die dreibeinige Katze, die surft. Ja, verdammt, s u r f t. Kaum eine Lücke auf dem Marktplatz des Katzenbilderangebots, die es noch zu füllen gäbe. Meine Beziehung zu Katze Paula wird deshalb durch ihren ordinären Lebensstil und ihr noch viel ordinäreres Aussehen zunehmend belastet. Nach den ersten dreißig Mitleidsfollowern beschlich mich langsam die Erkenntnis: das führt zu nichts, wenn sich die Katze jedes Mal wegdreht, sobald ich die Handykamera zücke. Sie müsste weniger schlafen, mehr niedliche Dinge können, jonglieren oder so, tanzen wäre noch besser, oder halt ein paar Beine verlieren, was tut man nicht alles.

Manchmal werde ich nostalgisch und denke an Facebook. Bei Facebook ging es irgendwie noch um Information. Facebook war eher eine digitale Visitenkarte, ein Unter-ich. Instagram ist ein digitales Abflussbecken, eine ekelhafte Parallelgesellschaft, in der nichts zählt außer Aufmerksamkeit – wem man sie gibt, wie viel man gibt und vor allem: wie viel man bekommt. Es geht nicht mehr um Kommunikation. Es ist ein oberflächliches, anstrengendes Spiel, in dem der einzig unbestimmbare Faktor der Mensch hinter dem Katzenprofil ist. Und ich spiele mit.

Nach ein paar Bildern verstand ich, dass die Profile, die Paulas Bilder durch-herzten und Kommentare schrieben, welche ausschließlich aus Emojis bestanden, überhaupt gar kein ernsthaftes Interesse an dieser äußerst flauschigen und liebenswürdigen Katze hatten. Was Gefälligkeiten angeht, ist Instagram wie sehr schlechter Sex: Geben um des Nehmens willen. Ich gab also, ausgiebig, emojilastig und mit klarer Erwartungshaltung. 

Keine Katze ist interessant genug, um einfach so berühmt zu werden. In Paulas Namen gefallen mir deshalb nun täglich um die hundert Bilder, die ich nicht etwa nach Schönheit auswähle, sondern nach Wahrscheinlichkeit des Zurückgefolgt und -geliketwerdens. Man muss die Profile finden, bei denen der Follow-Finger noch locker sitzt, die selbst noch ein bisschen needy sind was die Aufmerksamkeit angeht und sich schon von einem relativ freundlichen Kommentar und ein paar Mitleids-Likes für verwackelte Pixel überzeugen lassen. Menschen, die denken, dass irgendjemand sich für zwanzig Perspektiven ihrer auf einem Ball herumkauenden Katze interessieren würde. Alle mit >1000 Followern sind meistens schon zu arrogant, um sich den kleinen Profilen zu erbarmen.

In den Kommentaren spricht man mit Katzenstimme oder spricht zumindest für die Katze über andere Katzen “I’m in love with you, my furry friend Herz Emoji mit Herzaugen Herz Katze mit Herzaugen.”, obwohl man eigentlich nur schreiben möchte: “NOTICE ME, NOTICE ME, LIKE MY STUPID CAT PICTURES.”

Mit der Zeit habe ich mir das Vokabular der Community angeeignet (Furriend, Pawsome, Catstagram), schreibe inzwischen mehr Hashtags als Hausarbeiten und bei weniger als 60 Likes für ein Bild beschleichen mich Selbstzweifel. Hinterfragen. Zähneknirschen, Lippebeißen. “I follow back all cats” in den Profiltext schreiben, um wenigstens ein paar Fliegen zu fangen. Der Katze die Schuld geben. Fell zu struppig, Verhalten zu langweilig, zu viele Beine.

[kitsch]

Two years ago, I went to the easter mass at Mariacki church in Krakow with Alfredo, because he was the only one who managed to get up before 11. It was the Latin-Polish mass. We did not understand one word. I do not even understand christianity.

One year ago, we went from Prague to Kutna Hora to see a church filled with bones. I had expected to find it more disgusting. I remember walking through that small city and the smells of the easter market. I remember something tasting really sweet.

This is my first spring in Cologne for a long time. I wasn’t aware that there were cherry blossom trees next to the tram station. I forgot about how bad the weather is. This is my home, but it feels like I’m still adjusting.

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Every spring for the past two years, I was lucky enough to be part of the most beautiful family a girl abroad can have – the erasmus-community. I remember painting eggs and breaking a bunch of them, I remember hiding chocolate in the dirtiest flat I’ve ever lived in and taking easter-walks and freezing my butt off. I remember collecting flowers and branches and making a place away from home feel even more like home in the process.

Waking up in a flat where you can’t go to the bathroom without shoes. Staying in your kitchen/balcony/livingroom-comfortzone all day. Being. Baking. Talking. Laughing at each other’s accents. Dancing, because. Communicating with your hands and feet. Enjoying the comfort of not understanding any stupid conversation you hear on public transport. Tram days. Dinners. Really bad music. Laughs.

I remember how I actually started to feel European. How I realized that you can share hearts and minds with someone without sharing one native language. How I met crazy and stupid and really annoying people, but so many loveable ones that I forgot about the rest.

So much has happened since last spring and the spring before. In a weird way, it still never feels like it’s really over.

Right now, it’s good to know that there are kind people out there in the world. It makes me feel warm while spring is really cold. People who I can’t see and can’t talk to all the time, but who are still awesome and still somewhere inside my heart. Or brain – or whereever you store the memories of likeable humans.

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